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Die Wertschätzerin

So führt man Mitarbeiter

Kürzlich war ich mit meiner Frau beim Shoppen. Das ist für mich ein Fest und ich mache es gerne. Denn nach meinem Abitur war ich drei Monate lang als Praktikant beim Beck am Rathauseck in München tätig. Im Keller in der Herrenabteilung und im Erdgeschoss beim Sonderverkaufsstand. Da hatte ich abends oft 30.000 DM (!) in der Kasse und das bei Lambswool-Pullovern für 29,95 DM. Kurzum, da ging was.

Seit der Zeit macht es mir einfach Spaß zu sehen, wie sich die Verkäufer in anderen Geschäften anstellen und was sie sich einfallen lassen, um die Kunden glücklich zu machen. Wobei ich hier eher selten fündig werde.

Doch neulich wurde ich Zeuge eines magischen Moments. Wir waren in einem Modegeschäft und an mir ging – auffallend freundlich grüßend – eine junge Verkäuferin vorbei. Ohne das lästige „Kann ich Ihnen helfen?“, denn sie war hier nicht zuständig und wollte wohl mit einer Kollegin klären, wann sie morgen kommen sollte.

Doch genau in dem Moment lief ihr die Abteilungsleiterin über den Weg, stoppte sie und schüttete einen Wasserfall an Lobeshymnen über dieses hoffnungsvolle Nachwuchstalent. Sprach davon, dass sie so eine nette Art habe, auf Menschen zuzugehen, dass sie so geschickt frage, um die wahren Wünsche der Kundinnen zu eruieren und, dass sie selbst von Stammkunden dafür beglückwünscht werde, so eine tolle Verkäuferin in ihrem Team zu haben. Dann erzählte sie noch, dass sie so gut ins Team passe und auch mit ihrer guten Laune eine wertvolle Bereicherung sei.

Und dann kam´s: Die Abteilungsleiterin ließ das Reden und ging über zur Umarmung, mit den Worten „Lass dich umarmen, weil ich so glücklich bin, dass du bei uns bist!

Da war Gänsehaut pur. Die junge Verkäuferin fühlte sich etwas unbehaglich, denn für sie war es normal, mit Menschen so umzugehen. Doch dann hat sie glücklich und dankbar über das ganze Gesicht gestrahlt, bei so viel Wertschätzung.

Branding fürs Leben
Was für ein bärenstarkes Geschäft. So etwas lernt man auf keinem Führungsseminar. So etwas kommt nur von innen. Was bedeutet das für die Nachwuchsverkäuferin? Das wird sie ihr Lebtag nicht mehr vergessen. Sie wird für ihre Chefin wohl durchs Feuer gehen. Keine Lohnerhöhung der Welt kann dieses Gefühl, diesen Moment inniger Wertschätzung ersetzen. Besser kann man Menschen wohl kaum führen.

Da kam bei mir sofort die Frage auf: Was bedeutet das für Unternehmen? Sollen sich alle umarmen? Sicher nicht: aber spontan und ehrlich anerkennen, auf die Schulter klopfen, einen Satz mit wertschätzenden Eigenschaften sagen – da wäre schon viel erreicht. Oder?

Denn als Berater weiß ich, dass in jedem Unternehmen fast alle Mitarbeiter die spontane Anerkennung suchen. Dabei tun Führungskräfte immer so, als würde das was kosten und geizen damit. Nach dem Motto: „Nichts gesagt ist genug gelobt!

Das Beispiel hat mir gezeigt, wie es besser geht. Viel besser. Wie oft haben Sie so etwas schon erlebt oder auch selbst gemacht?

Christian KalkbrennerÜber den Autor
Christian Kalkbrenner, Dipl.-Kfm. (univ.), ist Strategieberater aus Überzeugung. Mit 15 Jahren Erfahrung im Bereich Krise- und Restrukturierung und über 15 als prämierter Wachstumsberater zählt er zu den Kompetenzführern seines Faches. Er weiß worauf es jetzt ankommt.

Als kreativer Kopf hat er ein eigenes Strategieverfahren entwickelt, den Bambus-Code®, für den er mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet wurde. Mit neun Fachbüchern, vielen Fachartikeln und Vorträgen zählt er zu den echten Experten seines Faches.

 

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